Wie im letzten Blogeintrag schon erwähnt, besuchte mich ab Ostersonntagabend meine Freundin in der süddeutschen Stadt.
Im Abstand von 15 Minuten kamen wir am späten Abend am Bahnhof an. Zusammen fuhren wir von dort zu mir nach Hause und packten erstmal unsere Koffer aus. Anschließend fielen wir beide, geschafft vom Tag, todmüde ins Bett.
Am nächsten Tag schien schon am frühen Morgen die Sonne ins Zimmer, und so verbrachten wir den ganzen Ostermontag an der frischen Luft. Erst fuhren wir für drei Stunden an einen nahe gelegenen See, wo wir spazieren gingen und Tretboot fuhren. Anschließend bummelten wir ein bisschen durch die Innenstadt. Zum Abschluss des Tages holten wir uns dann noch in meinem Stadtteil zwei Pizzen und genossen diese in der untergehenden Sonne am Flussufer.
Eine halbe Stunde früher als an einem normalen Arbeitstag bimmelte mich am Dienstagmorgen der Wecker aus dem Schlaf. Denn anders als sonst musste ich mir diesmal das Bad teilen. Meine Freundin fuhr nämlich ab diesem Tag für vier Tage als Praktikantin auf meinem KTW mit.
Auf der Wache angekommen, besorgten wir ihr zunächst eine komplette PSA, bevor ich ihr in Ruhe den KTW zeigte. Mitten im Checken des Fahrzeugs tauchte mein Lieblingskollege auf, und er und meine Freundin verstanden sich auf Anhieb. So verbrachten wir eine zwar sehr anstrengende, aber dafür auch sehr lustige Schicht zusammen. Leider bekamen wir kurz vor Feierabend noch eine Fernfahrt aufgebrummt, so dass wir eine Überstunde schieben mussten und mein Kollege eine Uniprüfung verpasste. Meine Freundin und ich mussten dagegen nur unser Blogger-/Twittertreffen ein wenig nach hinten verschieben. (Hierzu die Tage mehr.)
Am Mittwochmorgen machten sich meine Freundin und ich zwar müde, aber gut gelaunt auf dem Weg zur Wache. Sie brauchte etwas länger als ich beim Umziehen, so dass ich schon mal zur Leitstelle ging. Hier folgte der Schock: Mein Lieblingskollege hatte sich am Morgen krank gemeldet und meine Freundin und ich sollten stattdessen mit meinem Hasskollegen fahren. Aufgrund der Erfahrungen mit ihm befürchtete ich „Mord und Totschlag“ auf dem KTW, so dass ich direkt zum Dienstplaner ging und ihn um einen anderen Kollegen bat. Glücklicherweise machte er dies möglich, so dass meine Freundin und ich mit einem netten Kollegen fuhren. Die Schicht war relativ ruhig, dafür mit „Luke Skywalker“ sehr amüsant.
Abends waren meine Freundin und ich noch kurz einkaufen, bevor wir den Tag ruhig ausklingen ließen.
Neuer Tag, neues Glück! Mit diesem Motto starteten meine Freundin und ich in den Donnerstag. Wir erwischten einen mir bis dahin ebenfalls noch unbekannten RTW-Kollegen namens Peter (Name geändert), der seine letzten beiden Schichten in der Firma auf dem KTW verbringen sollte. Da er weder Erfahrungen im Krankentransport noch eine Fahrgenehmigung hatte, war ich an diesem Tag sowohl Fahrer als auch Teamführer auf dem Auto. Als ersten Einsatz des Tages sollten wir eine Stammpatientin von zuhause zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus bringen. Da ich die Patienten als sehr nett kennen gelernt hatte, schickte ich meine Freundin zum ersten Mal alleine nach hinten. Zwar hatte sie ein bisschen Sorge, aber es klappte alles bestens. Und so blieb sie auch bei den meisten anderen Patienten an diesem Tag hinten sitzen.
Am Abend kochten meine Freundin und ich dann ein feines asiatisches Znachtessen und guckten „Will & Kate“, ein Film über das englische Prinzenpaar.
Am Freitag fuhren wir in der gleichen Konstellation wie am Donnerstag. Diesmal hatte Peter bessere Laune, und so schien es ein guter Tag zu werden. Beim geplanten letzten Einsatz am Nachmittag kippte jedoch die Stimmung. Wir fuhren eine demenzkranke Patientin vom Krankenhaus nach Hause. Ihr Mann war mit der Situation völlig überfordert, und so erklärte ich ihm alles in Ruhe. Peter wollte jedoch aufgrund des nahen Feierabends so schnell wie möglich wieder fahren, und so fing er an, mit mir vor dem Mann der Patienten zu diskutieren. Ich ließ mich jedoch nicht beirren, half dem Mann zu Ende, und ging dann Peter nach. Wir meldeten uns wieder frei und bekamen von der Leitstelle zur Antwort, dass wir kurz warten sollten. Peter wollte dennoch direkt zur Wache fahren. Als Teamführer bestand ich jedoch aufs Warten. Nach zehn Minuten sprach er auf mein Geheiß hin nochmals die Leitstelle an, die daraufhin antwortete:
„KTW 2, können Sie noch vom Krankenhaus XY (Anm. des Red.: in unserer Nähe) eine Patientin zur Psychiatrie XY (in einem Vorort der Stadt) bringen?“
Peter schaut mich an, ich sage: „Von mir aus ja.“
Daraufhin funkt: „Ja, machen wir.“
Im Krankenhaus wird uns die Patienten mit den Worten „Sie kratzt, beißt, spukt!“ übergeben. Daher fixieren wir sie gut auf der Trage und schauen, dass sich meine Freundin im Hintergrund hält. Auf dem Weg nach zum Auto fällt uns der fehlenden Trapo (= Transportschein) auf, und so holt ihn meine Freundin noch kurz. In der Zeit laden Peter und ich die Patienten ein. Dabei sagt er: „Ich gehe nach vorne; habe keinen Bock auf die Patientin.“ Erst denke ich, ich habe mich verhört, aber er meint es ernst. Ich stellte ihn daraufhin zur Rede, denn bei mir geht keine Praktikantin und kein Praktikant nach hinten, wenn die Patientin/der Patient l(laut Krankenhaus) gewalttätig ist. Erst unter der Androhung, bei der Leitstelle einen zweiten KTW anzufordern, ging er dann nach hinten. Die Fahrt und die Übergabe in der Psychiatrie verliefen glücklicherweise ohne Zwischenfälle. Peter machte jedoch mächtig Stress, weil wir so spät dran waren. Außerdem warf er mir vor, dass wir den Einsatz angenommen hatten, obwohl ich ihm die Entscheidung überlassen hatte. Letztlich erreichten wir mit 105 Minuten Verspätung die Wache. Während sich Peter ohne Verabschiedung aus dem Staub machte, gingen meine Freundin und ich an das seit 16 Uhr laufenden Grillfest.
Wir hatten eine Menge Spaß mit den Kollegen und es wurde später und später. Zu unserem Bedauern mussten meine Freundin, meine Lieblingskollegin (beide verstanden sich prächtig) und ich feststellen, dass es Max (Name geändert) mit dem Freibier übertrieben hatte und nicht mehr Herr seiner Sinne war. Auch der Schichtleiter bekam langsam das Ausmaß mit und war ziemlich sauer. Daher bot ich ihm an, Max zusammen mit meiner Freundin nach Hause zu fahren. Erst war er skeptisch, doch dann stimmte er dem zu. Den ersten Teil der Fahrt setzte sich noch ein anderer Kollege zu Max nach hinten in den KTW, während meine Freundin vorne bei mir saß. Dann ließen wir den Kollegen auf etwa 2/3 der Strecke an einem Bahnhof raus, von wo aus er weiterfahren wollte. Kaum war meine Freundin nach hinten umgestiegen, kotzte uns Max das Auto voll. Ich schaute kurz nach dem Rechten, und als es Max wieder besser ging, fuhren wir zu ihm nach Hause. Dort half uns der Vater, selbst im Krankentransport und Rettungsdienst tätig, Max in sein Zimmer zu verfrachteten und anschließend das Auto zu putzen; er war uns nämlich sehr dankbar für die Heimfahrt. Als Dank bekamen wir sogar noch ein großes Stück Erdbeerkuchen. Auf dem Weg zurück zur Wache ließ ich meine Freundin dann noch ein bisschen funken, damit sie auch das noch kennen lernte. Gegen 0 Uhr erreichten wir wieder die Wache und begaben uns von dort auf den direkten Weg nach Hause.
Geschafft von der Woche, ließen meine Freundin und ich den Samstag ruhig angehen. Zur Mittagszeit holten wir uns eine vegetarische Platte vom Inder um die Ecke, und anschließend machten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof. Hier schlossen wir das Gepäck meiner Freundin ein, und dann verbrachten wir noch zwei schöne Stunden in der Stadt, bevor sie leider in ihren Zug gen Heimat steigen musste. Glücklicherweise sehen wir uns jedoch in viereinhalb Wochen schon wieder…
Wenn ihr wissen wollte, wie meine Freundin die Woche, und ganz besonders ihr Praktikum, erlebt hat, so könnt ihr das auf ihrem Blog nachlesen!